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Anton Gohlke im Gespräch: Wuhan-Rückkehrer isoliert: „Alles wird überwacht, selbst aufs Klo dürfen wir nicht allein“
Anton Gohlke ist aktuell in Berlin isoliert; als ihn der Arzt untersuchte, musste er Atemmaske und Gesichtsschutz tragen
privat Anton Gohlke ist aktuell in Berlin isoliert; als ihn der Arzt untersuchte, musste er Atemmaske und Gesichtsschutz tragen
  • FOCUS-Online-Redakteurin

20 deutsche Wuhan-Rückkehrer sitzen seit Sonntag im DRK-Krankenhaus in Berlin-Köpenick fest. Die Gesundheitsbehörden haben sie isoliert, um möglichen Ansteckungen mit dem Coronavirus, das unentdeckt in ihren Körpern schlummern könnte, vorzubeugen. Anton Gohlke ist einer von ihnen.

Als Anton Gohlke und seine Partnerin am 17. Januar nach Wuhan flogen, um ihre Familie in China zu besuchen, war die Corona-Welt noch in Ordnung. Die Meldungen über Infektionsfälle mit dem neuartigen Virus waren überschaubar, das Ausmaß für die Öffentlichkeit noch nicht absehbar.

„Wir wollten das chinesische Neujahrsfest in Asien feiern. Für die Chinesen ist das so wie Weihnachten, Ostern und Silvester zusammen“, erzählt der 26-Jährige im Gespräch mit FOCUS Online. Auch vom Auswärtigen Amt gab es zu diesem Zeitpunkt keinerlei Hinweise, die gegen die Reise gesprochen hätten.

Fünf Tage später riegelte die chinesische Regierung Wuhan ab, stellte den Nah- und Fernverkehr ein, sperrte Straßen und Flughafen. Die Airline cancelte Gohlkes Rückflug, den er für den 1. Februar gebucht hatte, die Wohnung der Familie seiner Partnerin sollten sie fortan nur noch wenn unbedingt nötig verlassen.

Spannend, aber gerade keine Zeit?

Am Sonntag flog eine Maschine das Paar nach Deutschland aus, gemeinsam mit 18 weiteren Deutschen, mit denen sie der Amtsarzt vom Flughafen Tegel aus direkt in die Quarantänestation im DRK-Krankenhaus im Berliner Stadtteil Köpenick eskortierte. Eine Schutzmaßnahme, um möglichen Ansteckungen vorzubeugen; die Rückkehrer könnten das Virus immerhin aus China mit nach Deutschland gebracht haben.

Bisher sind sämtliche Tests negativ ausgefallen. Allen in der Klinik Isolierten gehe es gut, bestätigt Gohlke. Trotzdem müssen sie solange in der Isolation ausharren, bis Ärzte eine Infektion ausschließen können.

Alles außerhalb des eigenen Zimmers findet unter Beobachtung statt

Jeder auf der Station habe sein eigenes Zimmer. Paare und Familien dürften sich eines teilen, schildert der IT-Ingenieur die Situation vor Ort. Darin könnten sie sich weitgehend frei bewegen. „Sobald wir aber das Fenster aufmachen, müssen wir Mundschutz tragen. Auf den Gängen dürfen wir nichts anfassen. Alles, was wir doch anfassen, muss danach desinfiziert werden. Es wird streng kontrolliert, man wird auf Schritt und Tritt überwacht.“

Das Zimmer teilt sich Gohlke mit seiner Partnerin
privat Das Zimmer teilt sich Gohlke mit seiner Partnerin

Wer sein Zimmer verlassen will, muss vorher jedes Mal einem Mitarbeiter Bescheid geben – der ihn begleitet; selbst auf die Toilette. „Damit sichergestellt ist, dass wir nirgendwo Viren hinterlassen.“

Die Mitarbeiter tragen zu ihrem eigenen Schutz Schutzanzüge, oft so körperbedeckend, dass nur noch ein schmaler Schlitz die Augenpartie freigibt. Ihre Betreuung in der Klinik beschreibt Gohlke als sehr positiv, sie seien engagiert, bemühten sich, es den aus Wuhan Ausgeflogenen so angenehm wie möglich zu machen.

Andere hatten die Zustände in der Corona-Quarantänestation zuvor öffentlich bemängelt. Sie fühlten sich wie im Gefängnis, es mangele an Privatsphäre und ausreichender Hygiene, hieß es.

In diesem Hof dürfen sich die Isolierten in Begleitung eines Mitarbeiters draußen aufhalten
privat In diesem Hof dürfen sich die Isolierten in Begleitung eines Mitarbeiters draußen aufhalten

Zwei Toiletten für 20 Personen

Die sanitären Gegebenheiten vor Ort kritisiert auch Anton Gohlke. Bis Freitagmittag hätte es für 20 Personen nur zwei Toiletten gegeben. Diese würden zwar nach jeder Benutzung gereinigt. „Für ein Quarantänelager, das die Ausbreitung eines Virus verhindern soll, halte ich das aber schon für zweifelhaft.“ Inzwischen habe man nachgerüstet, für jedes Zimmer steht nun eine separate Dixi-Toilette zur Verfügung.

In den Zimmern können die 20 Isolierten auf Wunsch Tablets und Fernseher erhalten, ihre Handys, Laptops und das Internet uneingeschränkt nutzen. Außerdem gibt es eine WeChat-Gruppe, analog zum amerikanischen Pendant WhatsApp, die die Isolierten nutzen. „Darüber tauschen wir uns aus und halten uns bei Laune.“

„Eigentlich wie ein fauler Sonntag, nur 14 Tage am Stück“

Darüber hinaus findet das Leben in der Quarantänestation primär zwischen Netflix, Smartphone und Bett statt: „Eigentlich wie ein klassischer fauler Sonntag, nur halt 14 Tage am Stück“, scherzt Gohlke. Ohnehin scheint der Rheinländer die Situation gelassen zu nehmen. „Natürlich ist es nervig und man fühlt sich eingesperrt. Das sind wir ja auch.“ Aber hält er die Vorsichtsmaßnahme für angemessen, um das Ansteckungsrisiko in Deutschland zu minimieren.

 

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Die Mahlzeiten bringen die Klinik-Mitarbeiter den Isolierten aufs Zimmer, am Vortag können sie auf einem Zettel ankreuzen, was sie am nächsten Tag essen möchten. „Wie im Krankenhaus und so schmeckt es auch. Aber es ist in Ordnung.“

Angst vor dem neuartigen Virus, an dem in China bereits mehr als 1300 Menschen gestorben und 48.000 erkrankt sind, habe er nicht. „Selbst wenn ich infiziert sein sollte, glaube ich nicht, dass mir wahnsinnig viel passieren könnte. Ich bin jung, grundsätzlich gesund und hier sogar unter besonderer Beobachtung – deshalb mache ich mir keine Sorgen. Andere ebenfalls Isolierte sehen das zum Teil anders.“

„Wenn ich hier raus bin, schmeiße ich eine Survival-Party“

In China sei die Situation anders gewesen. „Wir waren überwiegend auf dem Land, dort war es aus meiner Sicht wenig gefährlich. Am Flughafen in Wuhan standen wir dann aber vier Stunden in der Schlange vor dem Security-Check. Mit 30 Zentimeter Abstand zum Vordermann und 30 Zentimeter Abstand zum Hintermann. Da war mir schon etwas mulmig, obwohl wir alle Atemmasken trugen.“

Trotzdem ist die Vorfreude aus der Corona-Quarantäne entlassen zu werden nach zwei Wochen Quasi-Hausarrest in China und vermutlich zwei weiteren Wochen in Berlin groß. „Dann schmeiße ich erstmal eine Survival-Party“, sagt der ITler. Die Isolierung jetzt in Deutschland ziehe er der in China dennoch vor. „Hier kann ich zumindest eingeschränkt arbeiten, es gibt keine Zeitverschiebung, dafür funktionierendes Internet. Kontakt zu Familie und Freunden zu halten, ist deutlich einfacher und bequemer als in Wuhan.“

Im Video: "Besorgniserregende Ansteckungsfälle" - WHO-Chef alarmiert nach Neuinfektionen

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Leser-Kommentare (3)
Bei den folgenden Kommentaren handelt es sich um die Meinung einzelner FOCUS-Online-Nutzer. Sie spiegeln nicht die Meinung der Redaktion wider.

15.02.20, 00:14 | Matthias Günther

Ja so kann

man von Obdachlosen lernen. Die brauchen aber einige kleinere Straftaten, fahren ein und der Winter ist gerettet mit drei Mahlzeiten. Also alles nicht so ernst nehmen

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14.02.20, 22:46 | Thomas Rohr  | 2 Antworten

2-4 Wochen

2-3 Wochen Essen trinken alles auf den Steuerzahler Wer sich da beschwert gleich zurück nach China!!

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  • 15.02.20, 08:15 | Carsten Schmidt

    Als wenn das alles wäre

    Ihr Kommentar ist nicht weit gedacht und ziemlich einfach gestrickt. Genauso könnten Sie über Inhaftierte oder andere, auf das Krankenhaus angewiesene Patienten reden. Auch Hartz 4 zahlt der Staat .... was machen wir mit denen? Lieber Herr Rohr, wir sind ein Sozialstaat!

Alle Antworten (1)

14.02.20, 22:30 | Hansi Krannich

Eigentlich zu viel Luxus.

Etwas besser dürfte das in Berlin sein. Wenn es mal langweilig wird, einfach Wuhan twittern. Zeit habt ihr doch. Mir vergeht allerdings immer die gute Laune. Das mit den Toiletten ist überall so. Genauso die Duschen. Bei so Zuständen wie in Wuhan wäre der Mangel ein guter Verbündete des CV. Über das Essen sollte man nicht klagen. Das war mal schlecht. Lange her. Es sei denn, die Berliner kochen immer noch wie in den 70en Jahren. Ansonsten, bei so viel Komfort und umsonst, sollte man auch in der Pflicht sein. In Wuhan sollen um die 6-9 Hundert Tausend das CV haben. Das will man in Germany sicher nicht. Also schön brav sein.

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