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"Das geht zu weit": Rückschlag für Macron: Kandidat für Kommunalwahl muss wegen Sexvideo aufgeben
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron
dpa/Kay Nietfeld/dpa Frankreich hatte unter Staatschef Macron im Alleingang eine Digitalsteuer für international tätige Internet-Unternehmen wie Google, Amazon, Facebook und Apple eingeführt.

Schwerer Rückschlag für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron: Wegen einer Affäre um ein Sex-Video hat sein Wunschkandidat für die Pariser Bürgermeisterwahl, Benjamin Griveaux, seinen Rückzug aus dem Rennen erklärt. Zum Schutz seiner Familie habe er entschieden, nicht weiter für das Bürgermeisteramt zu kandidieren, sagte Griveaux der Nachrichtenagentur AFP am Freitag.

Griveaux beklagte "schändliche Attacken" auf seine Familie. "Seit mehr als einem Jahr" müssten er und seine Angehörigen "Verleumdungen, Lügen, Gerüchte, anonyme Attacken, die Verbreitung privater Gespräche und Morddrohungen" über sich ergehen lassen. Mit der Verbreitung des Videos sei ein neues Ausmaß erreicht worden. "Das geht zu weit", sagte Griveaux. Seine Familie habe so etwas nicht verdient.

Intimes Video veröffentlicht um "Scheinheiligkeit" zur Schau zu stellen

Eine Website hatte am Mittwoch ein intimes Video verbreitet, das Botschaften an eine Frau enthielt. Auf der Website hieß es, das Video stamme von Griveaux. Bis Donnerstag verbreitete sich die Aufnahme in zahlreichen Online-Diensten. Die Kommunalwahlen finden im kommenden Monat statt.

Einem Bericht der Zeitung "Libération" zufolge nahm der russische Künstler Pjotr Pawlenski für sich in Anspruch, das Video zuerst veröffentlicht zu haben. Er habe Griveauxs "Scheinheiligkeit" zur Schau stellen wollen, "der ständig die familiären Werte betont", aber "genau das Gegenteil" mache, sagte Pawlenski der Zeitung. Die Aufnahme habe er von einer Person erhalten, die eine "einvernehmliche Beziehung" mit Griveaux gehabt habe.

Macron nahm Zerwürfnis eigener Partei für Griveaux in Kauf

Griveaux war einer der ersten Unterstützer der von Macron gegründeten Bewegung La République en Marche (Die Republik in Bewegung, LREM). Vor seiner Bewerbung für das Bürgermeisteramt war er Regierungssprecher. In den jüngsten Umfragen für die Kommunalwahl rangierte der 42-Jährige auf dem dritten Platz hinter der sozialistischen Amtsinhaberin Anne Hidalgo und Rachida Dati von der konservativen Partei Les Républicains (Die Republikaner).

Premierminister Edouard Philippe sicherte Griveaux seine Unterstützung zu. Er respektiere dessen "schwierige Entscheidung". Innenminister Christophe Castaner erklärte, die Veröffentlichung des Videos könne mit einer "beträchtlichen Geldstrafe" oder bis zu "zwei Jahren Gefängnis" bestraft werden. Der Vorfall werde "natürlich verfolgt".

Für Macron ist die Griveaux-Affäre heikel. Um seinen früheren Regierungssprecher als Kandidat in Paris durchzusetzen, hatte er ein Zerwürfnis innerhalb seiner Partei in Kauf genommen. Eine Niederlage der LREM in Paris wäre auch ein Rückschlag für seinen Präsidentschaftswahlkampf 2022.

Künstler Pawlenski - Aktionen provokant und umstritten

Pawlenski ist wegen seiner nach eigenen Angaben "politischen" Aktionskunst umstritten. Im Oktober 2017 hatte er die Fassade einer Filiale der Banque de France angezündet, um gegen ihre "historisch beschämende" Präsenz an der Place de la Bastille zu protestieren. Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, davon ein Jahr auf Bewährung.

Pawlenski und seine Partnerin Oksana Schaligina erhielten nach ihrer Flucht aus Russland im Mai 2017 in Frankreich politisches Asyl. Nach eigenen Angaben drohten Pawlenski damals in seiner Heimat im Zuge von Ermittlungen wegen "sexueller Gewalt" gegen eine Moskauer Theaterschauspielerin "zehn Jahre Lager". Der Künstler weist die Vorwürfe zurück. 

Schon in seinem Heimatland Russland sorgte Pawlenski mit provozierenden Aktionen für Schlagzeilen. Unter anderem nagelte er seinen Hodensack auf das Pflaster des Roten Platzes in Moskau, schnitt sich ein Stück vom Ohr ab oder nähte sich aus Solidarität mit den Frauen der Protestgruppe Pussy Riot die Lippen zusammen.

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frw/afp

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14.02.20, 22:43 | Peter Geisler

Naja, die Sache mit

dem Festnageln seines XXX auf das Pflaster des Roten Platzes in Moskau ist m.E. ziemlich grenzwertig. Da ist mir die Verwendung beim franz. Bürgermeisterkandidaten doch eindeutig natürlicher ausgerichtet. Man sollte auch mal so ein paar Dinge einfach so lassen, wie sie sind. Deswegen muss doch der Monsieur noch lange kein - en schlechten Bürgermeister abgeben, oder? Scheinheilige haben wir doch schon genug, da ist doch ein reuiger Sünder viel mehr wert - sprach nicht schon Jesus die Hure, den Zöllner und so etliche andere frei von ihren Sünden - und fragte - wer frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Demzufolge sollten die Straßenrandalierer demnächst mal die Pflastersteine dort lassen, wo sie sind, nämlich in der Straße.

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